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Plötzliches Umsteuern in der BEG-Förderung trifft Wohnungswirtschaft überraschend

Klimaziele und bezahlbares Wohnen rücken in weite Ferne: Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) hat am Dienstagabend, 26. Juli 2022, unerwartet die bisherige Gebäudeförderung gänzlich umgestellt. Mit Blick auf KfW-Förderanträge für Komplettsanierungen tritt sie bereits am 28. Juli 2022 in Kraft.

Trotz Gaskrise werden die Fördersätze – etwa für Heizungs- und Fensteraustausch – verringert, um fünf bis zehn Prozentpunkte. Die Zuschussförderung für Komplettsanierungen wird eingestellt. Am Dienstagabend stellte das Bundeswirtschaftsministerium seine Reform für die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) vor. Damit verbunden sind eine Reihe umfangreicher Veränderungen, die bereits ab Donnerstag, 28. Juli, in gestufter Reihenfolge in Kraft treten und aus Sicht des Verbandes der Wohungs- und Immobilienwirtschaft leider eine erhebliche Verschlechterung darstellen. Begründet wird dieser Schritt mit einer Umstellung der BEG-Förderung auf zinsverbilligte Kredite, die die Verringerung der Zuschüsse bei weitem nicht kompensieren werden.

Für Einzelmaßnahmen bei der Sanierung, wie den Fenstertausch, gelten die neuen Förderbedingungen für die Antragstellung beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ab dem 15. August 2022. Die Neubauförderung, für die künftig das Bundesbauministerium statt des Wirtschaftsministeriums zuständig ist, wird für das Jahr 2023 umgestaltet. 

Was ändert sich bei der Förderung von Komplettsanierungen im Detail?

Für Effizienzhäuser (EH) fällt die Zuschussförderung komplett weg, es können nur noch Kredite mit Tilgungszuschuss beantragt werden. Das EH 100 wird nicht mehr gefördert. In der dann noch vorhandenen Kreditförderung werden die Tilgungszuschüsse massiv zurückgefahren, auf fünf Prozent für ein EH 85 (aktuell 30 Prozent Zuschuss) und 25 Prozent für ein EH 40 EE (aktuell 50 Prozent Zuschuss). Zudem wird der Tilgungszuschuss für Neubau EH 40 NH von derzeit 12,5 Prozent auf fünf Prozent abgesenkt. Darüber hinaus soll ein Heizungstausch-Bonus für Gaskessel eingeführt werden.

Im Vergleich zur bisherigen Situation, bei der sowohl eine Zuschussförderung als auch Tilgungszuschüsse für Kredite gewährt wurden, wird die Fördersystematik abrupt verschlechtert: Dann werden nur noch deutlich abgesenkte Tilgungszuschüsse für (zinsverbilligte) Kredite gewährt.

Beispiel-Szenarien:

  • Wer sein Haus komplett auf eine bessere Effizienzhausstufe saniert, konnte bisher mit Zuschüssen von bis zu 75.000 Euro rechnen. Künftig können maximal 67.500 Euro erhalten werden – das gilt jedoch nur für besonders schlecht sanierte Gebäude.

  • Aber auch bei Einzelmaßnahmen sinken die Zuschüsse. Wer etwa das Fenster tauscht oder sich eine Wärmepumpe installieren möchte, muss mit geringeren Subventionen auskommen. Statt bis zu 30.000 Euro für den Kauf einer Wärmepumpe gibt es künftig nur noch 24.000 Euro, beim Fenstertausch sind es 12.000 Euro statt 15.000 Euro.

Von heute auf morgen wird damit die erst im vergangenen Jahr eingeführte Zuschussförderung für umfassende Sanierungen komplett eingestellt. Das Engagement der sozial orientierten Wohnungsunternehmen für den Klimaschutz steht damit auf der Kippe. Neben dem Vertrauensverlust und der Planungsunsicherheit macht der Wegfall der Zuschussförderung und die Reduzierung der Tilgungszuschüsse die BEG-Förderung für Wohnungsunternehmen unattraktiv. Die Folge: Klimaschutzinvestitionen müssen unterbleiben und das bezahlbare Wohnen immer schwerer zu realisieren.

Zum Pressestatement des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen vom 27. Juli 2022

Zur Pressemeldung des BMWK zur "Energiewende im Gebäudebereich" vom 26. Juli 2022

Katrin Stamm
Katrin Stamm
Abteilungsleitung Interessenvertretung, Verbandskommunikation, Marketing und Neue Mobilität
Tel.: 0211 16998-94
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