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VM 11 / 2022: Stau auf dem Bau – Fachkräftemangel und Lieferkettenprobleme bremsen die Wohnungswirtschaft

Ob im Wohnungsbestand oder bei Neubauprojekten für bezahlbares und klimagerechtes Wohnen, die sozial orientierte Wohnungswirtschaft spürt immer stärker, dass Fachkräfte, aber auch Baustoffe und Bauteile nur knapp verfügbar sind.

Viele Projekte für die energetische Modernisierung und den Neubau von Wohnquartieren lassen sich unter diesen Umständen nur mit großer Verzögerung durchführen und müssen zum Teil sogar zurückgestellt werden, weil die entstehenden Kosten und Wartezeiten jeden Planungsrahmen sprengen. Daraus ergeben sich mit Blick auf die von der Bundesregierung geplanten Fertigstellungszahlen von 400.000 Neubauwohnungen pro Jahr, davon 100.000 öffentlich gefördert, sowie die für die Klimaschutzziele des Wohngebäudesektors benötigten Sanierungsraten große Fragezeichen.

Um die für den Winter angestrebten Einsparungen beim Gasverbrauch von 20 Prozent zu erreichen, muss der Fokus auf schnell umzusetzende Maßnahmen im Bestand im Allgemeinen und auf die Betriebsführung der Heizungsanlagen im Besonderen gerichtet werden, ohne die aktuellen Kapazitäts- und Materialengpässe außer Acht zu lassen.

Der eklatante Mangel an Fachkräften führt bereits seit Monaten dazu, dass Bau- und Handwerksunternehmen nicht alle Aufträge annehmen können und Endkunden lange Wartezeiten hinnehmen müssen. Immer mehr Unternehmen und Betriebe schränken ihre Planungen daher ein. Einer aktuellen Ifo-Umfrage zufolge gibt fast die Hälfte aller Firmen an, durch einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften eingeschränkt zu sein. Vor allem im Handwerk sind die Effekte spürbar.

Auch bei Baustoffen sieht die Lage nicht besser aus: Schon seit Beginn der Corona-Krise im März 2020, in deren Folge Fabriken weltweit schlagartig stillstanden, sind viele Bau- und Rohstoffe nur knapp verfügbar, was die Preise seither nach oben treibt. Grundlegende Rohstoffe wie Holz wurden bereits vor dem Ukraine-Krieg knapp und teuer, weil trotz Pandemie ein Bauboom in den USA und China einsetzte und große Mengen auf den globalen Märkten gekauft wurden. Dadurch, dass mittlerweile kaum noch das zuvor günstige russische Erdgas nach Deutschland und Europa geliefert wird, steht nun seit Anfang des Jahres auch die heimische Industrie unter großem Druck. Vor allem energieintensive Produktionsschritte, wie etwa das Brennen von Dachziegeln oder die Produktion von Glas für Fenster, werden unter den derzeitigen Bedingungen erheblich erschwert.

Die knappen Verfügbarkeiten von Menschen und material erweisen sich als große Herausforderung für die planungsgemäße Durchführung von Projekten. In dieser Ausgabe des VerbandsMagazins stehen daher Auswirkungen und Lösungswege des Spannungsfeldes des Fachkräftemangels und von Lieferkettenproblemen im Schwerpunkt. Die sozial orientierten Wohnungsunternehmen und -genossenschaften des VdW Rheinland Westfalen gehen dabei bisweilen kreative Wege, um im schwierigen Geschäftsklima handlungsfähig zu bleiben, benötigen aber deutlich bessere Rahmenbedingungen, um den politischen Erwartungen gerecht zu werden – denn unter den herrschenden und sich abzeichnenden Gegebenheiten sind weder Neubau- noch Klimaschutzziele erreichbar.

Katrin Stamm
Katrin Stamm
Abteilungsleitung Interessenvertretung, Verbandskommunikation, Marketing und Neue Mobilität
Tel.: 0211 16998-94
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