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Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG): Licht und Schatten

Nach einem turbulenten Förderjahr 2022 war die Hoffnung groß, nun langfristig verlässliche Rahmenbedingungen zu bekommen. Seit dem 1. Januar 2023 gelten die neuen Förderbedingungen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Freud und Leid liegen nah beisammen. Erstmals ist dabei ein Förderbonus für Serielle Sanierungen in Höhe von 15 Prozent vorgesehen, die Neubauförderung startet jedoch erst ab März unter der Verantwortung des Bundesbauministeriums und wurde deutlich reduziert.

Will der Bund jetzt nur noch private Modernisierer fördern?

Der Schlüssel für klimaneutrale Wohnungsbestände liegt natürlich im Bestand. Für die sozial orientierte Wohnungswirtschaft ist es deshalb ein wichtiger Impuls, dass die Bundesregierung das serielle Sanieren in die BEG aufgenommen hat. Damit wird ein zentraler Hebel umgelegt, um die wirtschaftliche Markteinführung serieller Sanierungslösungen zu beschleunigen. Gerade angesichts des Fachkräftemangels ist das serielle Sanieren ein Lösungsbaustein bei Modernisierungen, um das notwendige Tempo zur Erreichung der Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen. Erste Erfahrungen aus Pilotprojekten – darunter viele von VdW-Mitgliedsunternehmen und -genossenschaften – können nun mit den neuen Förderbedingungen bundesweit auf viele Quartiere angewendet werden.

Gute Ansätze mit Nachholbedarf

Ein weiterer positiver Punkt bei den neuen Förderrichtlinien ist, dass der Bonus für die am wenigsten energieeffizienten Gebäude – die sogenannten „Worst Performing Buildings“ – von 5 auf 10 Prozentpunkte erhöht und neben den Effizienzhaus 40- und 55-Stufen auch auf Sanierungen auf einen Effizienzhaus 70 EE-Standard ausgeweitet wird. Der Haken dabei ist jedoch der verpflichtende Einbau einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung in der EE-Klasse. Mit Blick auf die Höhe der Fördersätze ist das (noch) nicht umsetzbar, da so die Sanierungskosten massiv steigen. Angesichts der insgesamt abgesenkten Fördersätze für Effizienzhaus-Sanierungen sollten die Ansprüche an Standards nicht noch weiter nach oben geschraubt werden. Bezahlbares Sanieren mit Breitenwirkung geht anders.

Auch die Deckelung der förderfähigen Kosten auf 600.000 Euro pro Gebäude bei der Förderung von Einzelmaßnahmen wird sich als Herausforderung für einen durchschlagenden Erfolg des Förderprogramms in der Wohnungswirtschaft erweisen. Gerade in einem größeren Mehrfamilienhaus ist diese Grenze sehr schnell erreicht.

Fördersätze halten nur schwerlich Schritt mit Preisdynamik

Um die Weichen für eine breite Sanierungswelle zu stellen, müsste angesichts der ambitionierten Klimaziele bei gleichzeitigem Material- und Fachkräftemangel, Preisexplosionen und Zinsanstieg das gesamte Förderniveau wieder angehoben und verstetigt werden. Dazu braucht es eine insgesamt höhere Förderquote, auch im Mietwohnungsneubau, sowie schnelle und unkomplizierte Bewilligungsverfahren. Die Neubauförderung war in Kombination mit der sozialen Wohnraumförderung ein wichtiges Instrument, um bei hohen energetischen Standards auch im freifinanzierten Bereich bezahlbare Mieten für breite Schichten der Gesellschaft zu sichern. Ohne eine wirksame energetische Neubauförderung können auf vielen ausgeglichenen oder entspannten Wohnungsteilmärkten die notwendigen Neubaustandards kaum wirtschaftlich erreicht werden.

Generell muss für die Förderpolitik gelten: Maßnahmen, die angesichts des anhaltenden Material- und Fachkräftemangels nicht umsetzbar oder nicht wirtschaftlich sind, können nicht mit Scheuklappen für die tatsächliche Marktlage einfach so verpflichtend eingeführt werden. Die institutionalisierte und soziale orientierte Wohnungswirtschaft ist ein zentraler Partner für die schnelle Umsetzung von Klimazielen. Wenn die Wohnungsbauziele in den kommenden Jahren auch nur annähernd bezahlbar erreichen soll, braucht es zudem ein langfristig auskömmliches und stabiles Fördersystem. Planungssicherheit ist für die sozial orientierten Wohnungsunternehmen und -genossenschaften dabei der Schlüssel.

Katrin Stamm
Katrin Stamm
Abteilungsleitung Interessenvertretung, Verbandskommunikation, Marketing und Neue Mobilität
Tel.: 0211 16998-94
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