News

35. Symposium Perspektiven für Wohnungsgenossenschaften

Am 1. Juni 2021 fand die bereits 35. Ausgabe des genossenschaftlichen Symposiums live aus dem Studio 47 in Duisburg statt und bot allen Teilnehmenden der genossenschaftlichen Veranstaltung interessante Einblicke in das breite Themenspektrum der Wohnungsgenossenschaften des VdW Rheinland Westfalen.

Rund drei Monate vor der Bundestagswahl am 26. September wurde intensiv über genossenschaftliche Herausforderungen und Lösungsansätze debattiert. Dazu gab es zwei spannende Diskussionsrunden zwischen Vertretern von Wohnungsgenossenschaften und Gästen aus der Bundes- und Landespolitik.

Das Symposium wurde gemeinsam vom VdW Rheinland-Westfalen, dem Institut für Genossenschaften der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und dem Verein Wohnen in Genossenschaften veranstaltet. Mit der Verbindung von Wissenschaft und Praxis und mit Beteiligung politischer Vertreter boten die Diskussionen einen umfassenden Überblick: Zwei Talkrunden von Vertretern der Wohnungsgenossenschaften im Bundesgebiet und Abgeordneten im Bundes- und Landtag, welche alle auch aktive Genossenschaftsmitglieder sind, bildeten den Rahmen des Veranstaltungsformats.

Zu Beginn des Symposiums sendete VdW-Verbandsdirektor Alexander Rychter die Botschaft, dass die Debatten um den Mietendeckel in Berlin nicht für das gesamte Bundesgebiet und die Wohnungspolitik in Nordrhein-Westfalen und dem nördlichen Rheinland-Pfalz gelten. Vielmehr verdeutlichte das Symposium, was Wohnungsgenossenschaften für ihre Mitglieder, die gesellschaftlichen Aufgaben und das bezahlbare Wohnen leisten. Prof. Dr. Theresia Theurl, Direktorin des Instituts für Genossenschaften der WWU in Münster, betonte diesen Aspekt in ihrer Einführung zur Diskussion mit den Genossenschaftsvorständen, welche in Bezug auf den Mietendeckel in Berlin auch einen hohen emotionalen Wert beinhaltet. Für die Genossenschaften sei es wichtig, im langfristigen Dialog zu stehen und zu bleiben, um mit den vielfältigen aktuellen Herausforderungen umgehen zu können.

Zu den aktuellen Herausforderungen zählen vor allem die hohen Baukosten und die steigenden Bodenpreise. Sie führten zu einem geringeren Neubauvolumen und dafür mehr Investitionen in den Bestand und energetischen Modernisierungsmaßnahmen. Dort ist die politische Unterstützung gewünscht, denn Leistungen verdienen auch Gegenleistungen: Genossenschaften müssen auch wirtschaftlich handeln können.

In Bezug auf den Klimaschutz heißt es für die Genossenschaften nicht in einzelnen Gebäuden, sondern im Quartier zu denken. In der Praxis ist für sie ein Mix aus Maßnahmen im gesamten Quartier oder Bestand zielführender als die Fokussierung auf einzelne Projekte und Wohngebäude. So können Mobilitätskonzepte genauso zur CO²-Reduzierung beitragen wie Passivhäuser. Ähnliches gilt für die Debatte um Mieterstrommodelle oder den Wohnflächenverbrauch. Einzelne Kenngrößen am Gebäude können das Ziel verfehlen, konzeptionelle Kenngrößen das Ziel wiederum fördern.

Ob Demenz-WG, Baugruppen oder Kulturstätten – Genossenschaften sind bereit für gesellschaftliche Aufgaben und Innovationen. Sie bilden die idealen Partner für Konzepte, kreative und multifunktionale Stadtentwicklung und die Bereitstellung von Wohnraum, etwa für ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen. Neben der reinen Anerkennung für ihr soziales Engagement wünschten sich die Genossenschaftsvorstände in der wohnungspolitischen Debatte eine langfristige konzeptionelle und finanzielle Unterstützung, welche flexibel auf die Situation in den Nachbarschaften eingeht.

Das Symposium war der erfolgreiche Auftakt in den vom Verband medial begleiteten "Genossenschaftsmonat Juni" und auch mit Blick auf die Bundestagswahlen im Herbst und die Landtagswahlen im kommenden Jahr. Viele der angesprochenen Themen betreffen nicht nur die Genossenschaften, sondern die gemeinwohlorientierte Wohnungswirtschaft im Allgemeinen.

Für alle, die nicht dabei waren: Die politische Diskussionsrunde finden Sie zum Abruf auf dem YouTube-Kanal des VdW Rheinland Wesfalen. Dort wird in Kürze auch der im Symposium gespielte Imagefilm der Genossenschaften zu finden sein.

Kristina Klee
Kristina Klee
Genossenschaftswesen, Stadtplanung, Stadt- und Quartiersentwicklung sowie Baukultur
Tel.: 0211 16998-84
mehr