Regionalen Ausgleich stärken – die Wohnungswirtschaft als Gestalter von Heimat

Wohnungswirtschaft im Westen macht sich für gleichwertige Lebensverhältnisse stark

  • Endbericht zu zweijährigem bundesweitem Gemeinschaftsprojekt zeigt: In Nordrhein-Westfalen gilt es, räumliche Disparitäten in Einklang zu bringen
  • Von Baulandentwicklung bis Fachkräftesicherung: Größter Regionalverband leistet entscheidenden Beitrag zum Projekt

Nach zwei Jahren Projektlaufzeit mit intensiver Zusammenarbeit wurde nun der Abschlussbericht zum wohnungswirtschaftlichen Gemeinschaftsprojekt „Regionalen Ausgleich stärken – die Wohnungswirtschaft als Gestalter von Heimat“ veröffentlicht. Damit blickt der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (VdW) Rheinland Westfalen als bundesweit größter Regionalverband zurück auf ein 2018 gestartetes Projekt mit dem GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, mehreren Regionalverbänden und weiteren assoziierten Partnern: die DKB Deutsche Kreditbank AG, die DZ HYP, die Kreissparkasse Köln und die NRW.BANK.

Der Abschlussbericht enthält aufschlussreiche Erkenntnisse für die Zusammenarbeit von regionalen Akteuren und für die notwendigen begleitenden politischen Maßnahmen.

„Gleichwertige Lebensverhältnisse sind ein wichtiges Thema für die Wohnungswirtschaft“, meint Alexander Rychter, Direktor des VdW Rheinland Westfalen. „Wir beobachten, dass im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen starke Städte und Metropolregionen mit hohen Zuzugsraten und einem Mangel vor allem an bezahlbaren Wohnungen wirtschaftlich prosperierenden Standorten gegenüberstehen, deren Qualitäten als Wohn- und Lebensstandort aber in unserer Wahrnehmung noch nicht gleichberechtigt gewürdigt werden. Wohnungsnot und Leerstände stehen einander diametral gegenüber.“

Neben einer optimierten Baulandentwicklung als Chance für hoch verdichtete Gebiete, wie sie etwa am Standort Köln im Rahmen einer interdisziplinären Arbeitsgruppe diskutiert wurde, lassen sich vor allem auf Basis der räumlichen Verflechtungen in Nordrhein-Westfalen Synergiepotenziale zwischen den einzelnen Räumen identifizieren. So findet sich in Duisburg-Wedau eines der größten Stadtentwicklungsprojekte mit einer hohen Bedeutung für die angrenzenden Städte und Gemeinden.

Die infrastrukturelle Ertüchtigung sowohl im Bereich Verkehr als auch in den Bereichen Bildung, medizinische Versorgung und Lebensqualität ist für die Regionen Ost- und Südwestfalen von entscheidender Bedeutung. Die Regionen verfügen zwar über eine leistungsfähige Wirtschaft mit einer Vielzahl an attraktiven und spezialisierten Arbeitsplätzen in der international tätigen mittelständischen Wirtschaft, müssen aber als Wohn- und Lebensstandort noch deutlicher gestärkt werden.

Die Projekte im Einzelnen:

Köln: Regionale Kooperation in der Baulandentwicklung

Wie kann die regionale Kooperation in der Baulandentwicklung gestärkt werden? Hierzu hat die Arbeitsgemeinschaft der Kölner Wohnungsunternehmen im Rahmen des Projekts gemeinsam mit ausgewählten Kommunalvertretern und weiteren Experten aus Wissenschaft und Verwaltung Entwicklungspotentiale diskutiert.

Das Projekt ist dabei zum Ergebnis gekommen, dass die Bemühungen um eine regional abgestimmte Entwicklungspolitik erhöht werden müssen, um in der gesamten Region die Potentiale für attraktive Wohnungsangebote zu heben. Dafür ist vor allem eine Verbesserung der infrastrukturellen Erschließung notwendig. Projekte zur verkehrlichen Vernetzung der Region müssen mit höherer Priorität und beschleunigt durchgeführt werden. Die regionale Arbeitsgemeinschaft wird das Thema mit eigenen Angeboten weiterverfolgen und sich ausgehend von den erzielten Ergebnissen für eine Weiterentwicklung der regionalen Zusammenarbeit einsetzen.

„Wohnungsmärkte enden nicht an Stadt- oder Gemeindegrenzen, sondern beeinflussen sich wechselseitig“, sagt Kathrin Möller, Vorstand der GAG Immobilien AG. „Eine abgestimmte regionale Entwicklungsplanung aller Sektoren über die Stadt- und Gemeindegrenzen hinweg ist richtig und notwendig.  Die Arbeitsgemeinschaft Kölner Wohnungsunternehmen koeln ag sieht in dem Projekt ‚Regionalen Ausgleich stärken‘ die Chance, Potenziale und Hemmnisse einer regionalen Entwicklung aufzuzeigen. Gerade die Entwicklung der verkehrlichen Infrastruktur und die fehlende Geschwindigkeit der Digitalisierung haben sich als deutliche ‚Stolpersteine‘ herausgestellt, um eine stärkere Partizipation der Region vom boomenden Wohnungsmarkt in den Ballungszentren Köln und Bonn zu ermöglichen.“

Duisburg: Stadtentwicklung auf 90 Hektar Bahnfläche

Die GEBAG Duisburger Baugesellschaft mbH engagiert sich als städtisches Wohnungsunternehmen in der Flächenentwicklung, unter anderem mit dem Projekt „6-Seen-Wedau – Wohnen am Wasser“. Mit seinen rund 3.000 geplanten Wohnungen und der Nähe zur Düsseldorfer Stadtgrenze ist das Vorhaben zugleich geeignet, Impulse für die Stadtentwicklung des Duisburger Südens zu setzen und eine Entlastung für den angespannten Wohnungsmarkt in der Landeshauptstadt Düsseldorf zu leisten.

Geschäftsführer Bernd Wortmeyer würdigte den Projekterfolg und betonte zugleich den Stellenwert städteübergreifender Zusammenarbeit: „Die Bevölkerungsentwicklung – und damit auch die Nachfrageentwicklung nach Wohnraum – geschieht über die Stadtgrenzen hinweg. Die eigenen Stadtentwicklungsstrategien müssen daher auch die umliegenden Regionen angemessen berücksichtigen. Gerade für die Stadtentwicklung des Duisburger Südens war es von besonderer Bedeutung, die Düsseldorfer Marktbedingungen zu beachten und einen konstruktiven Austausch der jeweiligen Zukunftsstrategien einzuleiten.“

Südwestfalen: Wohnstandorte stärken und zukunftsfähig gestalten

Die Arbeitsgemeinschaft der Wohnungswirtschaft in Südwestfalen hat sich vorgenommen, Beiträge zur Sicherung der Lebensqualität zu leisten und damit die Kommunen bei der Sicherung der Daseinsvorsorge und die regionale Wirtschaft bei der Fachkräfteakquise zu unterstützen. Fokussiert auf die Themen „Mobilität“ und „Verkehr“ wurden in thematischen Werkstätten die Kooperationsmöglichkeiten mit den Akteuren in diesen Handlungsfeldern erörtert, wobei die Arbeitsgemeinschaft an bestehendes Engagement anknüpfen konnte.

So hat die Meinerzhagener Baugesellschaft mbH bereits ein Ärztehaus realisiert, das derzeit weiterentwickelt wird und einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung der Region leistet. Oliver Drenkard, Geschäftsführer der Meinerzhagener Baugesellschaft mbH, unterstreicht die Wichtigkeit zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse seitens der Wohnungswirtschaft: „Das bisher Erreichte sichtbar zu machen und neue Möglichkeiten herauszuarbeiten, wie es gelingen kann, dass das Wohnen außerhalb der Metropolen attraktiv und lebenswert bleibt und eine echte Alternative darstellt, war Ansporn für die Mitarbeit bei diesem Projekt. Die Zusammenarbeit innerhalb der Wohnungswirtschaft und mit den Handelnden vor Ort funktioniert sehr gut. Es wurden viele Ideen und Projektansätze sogar bis zur Umsetzungsreife entwickelt. Das war ein vielversprechender Aufschlag. Seitens der Politik hätten wir uns einen deutlich stärkeren Einsatz gewünscht. Leider haben die beteiligten Akteure wenig ‚politisches Gehör‘ für ihr Projektvorhaben erfahren.“

Die Wohnungsgesellschaft Werdohl mbH engagiert sich in Zusammenarbeit mit der Werdohl Marketing GmbH intensiv für den Ausbau und die Verbesserung eines regionalen Radweges und begleitender touristischer Angebote (Lenneroute).

Ostwestfalen-Lippe: Attraktivität für Fachkräfte

In der mittelständisch geprägten Industrie- und Wirtschaftsregion Ostwestfalen-Lippe stehen sich eine positive wirtschaftliche Entwicklung und rückläufige Bevölkerungszahlen gegenüber.

Hier hat die Aufbaugemeinschaft Espelkamp GmbH gemeinsam mit lokal ansässigen Unternehmen die Fachkräftesituation in den Blick genommen. In mehreren Workshops wurden überschneidende Interessen und mögliche gemeinsame Handlungsansätze diskutiert. Zukünftig wird das gemeinsame Engagement zur Fachkräftegewinnung fortgesetzt. Zuvor hat die Aufbaugemeinschaft Espelkamp GmbH in Kooperation mit den regionalen Unternehmen bereits Gästewohnungen zur Unterbringung neu angeworbener Fachkräfte und / oder zeitlich befristeter Mitarbeiter angeboten.

Hans-Jörg Schmidt, Geschäftsführer der Aufbaugemeinschaft Espelkamp GmbH, resümiert den Projekterfolg: „Unser Teilprojekt hat Personalverantwortliche verschiedenster Unternehmen zu einem Arbeitskreis mit der Wohnungswirtschaft zusammengebracht, die sich vorher nicht kannten und dennoch gemeinsame Interessen hatten. Die Workshops haben einen Austausch ausgelöst, der auch nach Projektende fortgeführt wird.“

In der Region Bielefeld stand die Wohnungsbauentwicklung in einem Teilprojekt im Fokus. In einem gemeinsamen Workshop der Wohnungswirtschaft mit kommunalen Vertretern aus Bielefeld und den angrenzenden Städten und Gemeinden wurde diskutiert, wie die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum über die Stadt Bielefeld hinaus in der Region bedient werden kann und welche planerischen und infrastrukturellen Herausforderungen dazu noch überwunden werden müssen.

Insgesamt lässt der Abschlussbericht erkennen, dass die Lebensbedingungen in Deutschland von großen regionalen Unterschieden geprägt sind. In Deutschlands Großstädten sehen sich Menschen mit Wohnungsmangel konfrontiert, gleichzeitig stehen in anderen Regionen Wohnungen leer. Während Ballungsregionen Bewohner mit einem attraktiven Arbeitsplatz-, Infrastruktur- und Kulturangebot anlocken, haben ländlichere Regionen mit schwindender Attraktivität und einer schrumpfenden Bevölkerung zu kämpfen.

„Bisher ist nicht zu erkennen, dass für einen Ausgleich der bundesweit unterschiedlichen Lebensbedingungen der notwendige ‚Ruck‘ durch Deutschland geht“, sagt Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW. „Die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission ‚Gleichwertige Lebensverhältnisse‘ hat bereits Mitte 2019 ihre Empfehlungen vorgelegt, aber passiert ist nichts. Deshalb haben wir als Wohnungswirtschaft selbst frühzeitig die Initiative ergriffen und uns mit einem großen bundesweiten Gemeinschaftsprojekt in sieben Regionen quer durch Deutschland aktiv für den Ausgleich regionaler Unterschiede eingesetzt.“ Mit Erfolg: Auch wenn die bundesweite Initiative zeigt, dass es in Deutschland flächendeckend an einer wirksamen, regional verankerten Wohnungs- und Baulandpolitik fehlt, wurden in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche maßgebliche Akteure auf kommunaler und regionaler Ebene an einen Tisch gebracht, um den notwendigen Dialog herzustellen. Viele Kooperationen für bessere Stadt- und Umlandbeziehungen konnten initiiert und die Vernetzung verbessert werden.

„Die Heterogenität der Wohnungsmärkte an den nordrhein-westfälischen Projektstandorten Köln, Duisburg, Ost- und Südwestfalen hält große Herausforderungen, aber auch große Chancen bereit“, sagt VdW-Verbandsdirektor Alexander Rychter. „Diese gilt es zu nutzen, für lebenswerte, zukunftsfähige und vor allem bezahlbare Wohn- und Stadtquartiere im ganzen Land. Wir freuen uns daher außerordentlich, dass Nordrhein-Westfalen durch die unterschiedlichen Fallstudienregionen intensiv in den Blick genommen worden ist.“

Zur Pressemitteilung des GdW: Wohnungswirtschaft macht sich für gleichwertige Lebensverhältnisse stark (14.12.2020)

Zum Endbericht: „Regionalen Ausgleich stärken – die Wohnungswirtschaft als Gestalter von Heimat“ (Quaestio Forschung & Beratung GmbH)

Katrin Stamm
Katrin Stamm
Abteilungsleitung Interessenvertretung, Verbandskommunikation, Marketing und Neue Mobilität
Tel.: 0211 16998-94
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