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Zweite Befragung von NRW.BANK und VdW RW bestätigt stabilen Kurs der Wohnungswirtschaft im Westen

Auch im Mai hatten NRW.BANK und VdW-Rheinland-Westfalen die rund 480 Mitgliedsunternehmen und -genossenschaften nach den Auswirkungen der Corona-Pandemie und ihrer Einschätzung der weiteren Geschäftsentwicklung befragt. Darin bestätigten sich die Eindrücke aus der frühen Pandemie-Phase im April weitestgehend oder verbesserten sich sogar.

Die wichtigsten Ergebnisse finden Sie im Überblick:

  • Der Anteil der Unternehmen, die im Mai mit Mietausfällen oder Stundungen konfrontiert waren, hat im Vergleich zum April leicht zugenommen - von 73 auf 80 Prozent. Der Anteil der betroffenen Mietverhältnisse hat sich allerdings nicht verändert – nach wie vor sind bei den meisten Unternehmen und Genossenschaften unter 2% bzw. 2 bis 5% der Mietverhältnisse von solchen Ausfällen oder Stundungen betroffen.
  • Die Summe der insgesamt gestundeten Mieten ist nur zu eher geringen Teilen auf die Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen: Im April waren es 21,4 Prozent, im Mai sogar nur 18,0 Prozent der gesamten Mietausfälle, die nach Angabe der Unternehmen auf Corona zurückzuführen sind.
  • Die Verzugszinsen werden nach wie vor selten eingefordert: Im April gaben 8,1 Prozent der Unternehmen an, diese Zinsen einzufordern, im Mai lag der Anteil sogar nur bei 6,5 Prozent.
  • Bei den Gewerbeeinheiten gibt es anteilig an allen Mietverhältnissen deutlich mehr Ausfälle oder Stundungen als bei den Mietwohnungen: 37 Prozent der Befragten gaben an, dass über 10 Prozent ihrer gewerblichen Mietverhältnisse von Ausfällen oder Stundungen betroffen sind. Im April lag dieser Anteil noch bei 26 Prozent.
  • Der Einfluss der Corona-Pandemie bei den Mietausfällen ist im Gewerbe deutlich höher als bei den Mietwohnungen. Die Gesamtsumme der nicht gezahlten Miete ist nach Aussage der Befragten im Mai zu 86 Prozent auf die Folgen der Pandemie zurückzuführen – ein deutlicher Anstieg zum April (71%).
  • Gleichzeitig gibt es nach wie vor Auswirkungen auf die Anfragen nach den angebotenen Mietwohnungen. Rund 14 Prozent der Befragten verzeichneten im Mai deutliche Anfragerückgänge, weitere gut 40 Prozent immerhin noch leichte Anfragerückgänge.
  • Auch bei den Gewerbewohneinheiten werden die Verzugszinsen von den Unternehmen selten eingefordert: Im April gab keiner der Befragten an, die Zinsen einzufordern, im Mai lag der Anteil bei 8,2 Prozent.
  • Auch im Mai gaben die meisten (73%) Unternehmen an, Beratungsangebote für ihre Mieter anzubieten (April: 70%): um ihre Mieter zu entlasten bieten die meisten der Unternehmen Modelle zur Ratenzahlung (60%) oder individuelle Beratungsangebote (48%) an. 36 Prozent der befragten Unternehmen verzichtet außerdem auf Mieterhöhungen, die normalerweise angefallen wären.
  • Bei den geplanten Investitionen der Unternehmen sehen die Befragten im Mai in allen Marktsegmenten geringere Auswirkungen der Corona-Pandemie als noch im April. Für das Neubausegment gaben rund 89 Prozent der Befragten an, dass die Folgen der Corona-Pandemie keine Auswirkungen auf bereits geplante Investitionen haben (April: 76%).
  • Im Mai haben 51 Prozent der Befragten angegeben, dass es zu Verzögerungen bei der Realisierung von Bauprojekten kommt – dieser Anteil ist im Vergleich zum April leicht gestiegen (April: 46%).
  • Als Hauptgründe für diese Verzögerungen werden auch im Mai Probleme bei den Lieferketten für Baustoffe (50%) sowie personelle Engpässe in der Bauwirtschaft (43,1%) genannt. Im April hatte außerdem ein großer Teil der Befragten (41%) als Grund Verzögerungen bei der Erteilung von Baugenehmigungen angegeben. Hier hat sich die Situation in den Behörden scheinbar verbessert: Im Mai wurde das nur von 19 Prozent als Grund genannt.
  • Der Ausblick auf die Geschäftsentwicklung präsentiert sich im Mai auch positiver. Das Eintreten von Liquiditätsengpässen wird von den Unternehmen als noch unwahrscheinlicher eingeschätzt als im April. Nur 3,3 Prozent der Befragten gaben an, dass Liquiditätsengpässe „wahrscheinlich“ seien, im April lag dieser Anteil noch bei 8,6 Prozent. Fast 97 Prozent der Befragten halten es für eher unwahrscheinlich (April: 91%).
  • Nach wie vor benötigen die meisten Unternehmen und Genossenschaften wenig Hilfe. Rund 95 Prozent der Verbandsmitglieder nehmen keine staatlichen Hilfen in Anspruch (April: 97%).
  • Auch die Arbeitsfähigkeit der Mitglieder verbesserte sich im Mai wieder: Rund 76 Prozent der Unternehmen gaben an, die Arbeitsfähigkeit sei durch Corona „stark eingeschränkt“ oder „etwas eingeschränkt“, im April lag dieser Anteil noch bei über 83 Prozent.
  • Das Investitionsklima wird in allen Marktsegmenten (Neubau Mietwohnungen, Neubau Eigentum, Modernisierung, Bestandsankäufe) etwas besser bewertet als noch im April.

„Die Wohnungswirtschaft im Westen kommt derzeit sehr stabil durch die Corona-Krise und kann ihren Mieterinnen und Mietern ein guter Partner in dieser Schwierigen Zeit sein“, so Verbandsdirektor Alexander Rychter. „Dennoch wollen wir die Entwicklung noch weiter verfolgen und die Befragung auch im Juni fortsetzen, um langfristigere Folgen besser abschätzen zu können. Insbesondere die Nachfragerückgänge müssen wir im Auge behalten.

Die Bundesregierung hat dafür schon einen wichtigen Impuls gesetzt und durch die aktuellen Beschlüsse im Koalitionsausschuss u.a. zur Ausweitung der Modernisierungsförderung, der steuerlichen Abschreibung und den Ausbau von Photovoltaik auch Konjunkturimpulse für die Wohnungswirtschaft geschaffen.“

Das VdW-Wohnzimmer-Gespräch zur Corona-Pandemie zwischen NRW.BANK-Vorstand Dietrich Suhlrie und VdW-Verbandsdirektor Alexander Rychter finden Sie hier:

https://share.vdw-rw.de/youtube

 

Oliver Niermann
Oliver Niermann
Abteilungsleitung Interessenvertretung, Wohnungs- und Städtebauförderung, Landesplanung und Raumordnung
Tel.: 0211 16998-38
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