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Die Wohnungswirtschaft zeigt Präsenz - vor Ort in wohnungspolitischen Debatten

Am 7. und 8. September 2021 fand der Verbandstag des VdW Rheinland Westfalen erstmals nach zwei langen, von Kontaktbeschränkungen, Videokonferenzen und Home Office geprägten Jahren wieder in Präsenz statt. Die Freude war groß unter allen Gästen aus Wohnungswirtschaft, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft: Endlich konnte man sich wieder persönlich austauschen. Inhalte gab es genug - kurz vor der Bundestagswahl standen die aktuellsten wohnungspolitischen Positionen im Mittelpunkt des jährlichen Fachkongresses der Wohnungswirtschaft aus Nordrhein-Westfalen und dem nördlichen Rhein-Pfalz.

Der geschichtsträchtige Veranstaltungsort sorgte für eine besondere Atmosphäre im ehemaligen Bundestagsplenarsaal der Bonner Republik, in dem sich kurz vor der Bundestagswahl am 26. September 2021 spannende Debatten um die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen entwickelten.

Im Fokus standen die aktuellen wohnungspolitischen Positionen um die großen Herausforderungen im Bereich Wohnen: Klimaschutz im Wohngebäudesektor, der gestiegene Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum, die laufenden Debatten um ordnungsrechtliche Eingriffe und die Frage "Wie lassen sich Klimaschutz und Bezahlbarkeit miteinander vereinen?". In eindrucksvoller Atmosphäre wurde zwischen Vertretern von Bund- und Landespolitik und der Wohnungswirtschaft debattiert und unterschiedliche Wege zur Lösung der großen Herausforderungen im Bereich Wohnen diskutiert.

Komplexe Zusammenhänge und einfache Lösungen?

Marion Sett, Präsidentin des VdW Rheinland Westfalen, begrüßte die zahlreichen Gäste vor Ort und eröffnete den diesjährigen VdW-Verbandstag mit einem wohnungswirtschaftlichen Blick auf den Wahlkampf, der im Vorfeld des Verbandstages deutlich an Fahrt und Schärfe zugelegt hatte. Sie merkte an, „dass in aller Deutlichkeit diskutiert wird, über Bezahlbarkeit im Neubau, die Anstrengungen im Klimaschutz, aber auch dessen Kosten – wir hören es in Talkshows, Leute gehen dafür auf die Straße.“

Nach der Eröffnungsrede von VdW-Präsidentin Marion Sett und dem Grußwort der gastgebenden Bonner Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Bündnis 90/Die Grünen) betrat VdW-Verbandsdirektor Alexander Rychter das Podium. Er forderte im Gespräch mit Michael Fabricius, Moderator und leitender Redakteur Immobilien der WELT, die Parteien dazu auf, eine differenzierte Haltung gegenüber den verschiedenen Akteuren am Wohnungsmarkt einzunehmen. Die am Markt aktiven Anbieter von Wohnraum unterscheiden sich teilweise grundlegend voneinander - die Herausforderungen können somit auch nicht durch vermeintlich einfache Lösungen, wie etwa durch einen flächendeckenden Mietendeckel gemeistert werden, erklärte Alexander Rychter.

Wohnungspolitische Positionen im Wahlkampf - vor Ort und digital

Im ehemaligen Plenarsaal verfolgten die Gäste die kontrovers geführten Debatten zwischen Alexander Rychter, Mona Neubaur, Landesvorsitzende der NRW-Grünen, und GdW-Präsident Axel Gedaschko, der mit einem starken Plädoyer für ein eigenständiges Bundesbauministerium in der nächsten Legislaturperiode nach Bonn gekommen war. Live dazugeschaltet wurde Doris Ahnen, rheinland-pfälzische Ministerin der Finanzen (SPD), die betonte, dass „Wohnungspolitik eine Querschnittsaufgabe“ sei. Ergänzt wurden die Gespräche durch Videobeiträge von Volker Wissing, Generalsekretär der FDP, und Volkmar Vogel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (CDU), der ein wohnungspolitisches Fazit der letzten vier Jahre zog.

Der Klimaschutz im Wohngebäudebereich, die Kostenverteilung der CO2-Bepreisung, der gewachsene Bedarf an bezahlbarem Wohnraum, die dynamische Baukostenentwicklung, Volksbegehren und Forderungen nach ordnungsrechtlichen Eingriffen prägen die Debatte in der Wohnungspolitik, die in den Wahlprogrammen wieder oben auf der Agenda der Parteien zu finden ist.

Die Wohnungswirtschaft blickt gespannt auf den 26. September, hat jedoch bereits gezeigt, dass die wohnungswirtschaftlichen Antworten auf wohnungspolitische Fragen da sind - aber nur im konstruktiven Miteinander gelingen können.

Blick in die digitale Zukunft - wo stehen wir in Deutschland?

Als weiteres Zukunftsthema stand zum Abschluss des öffentlichen Teils des VdW-Verbandstags eine Keynote des Journalisten Richard Gutjahr auf dem Tagesprogramm. Der teilweise in Washington lebende Gutjahr skizzierte den bisher eher steinigen Weg Deutschlands im flächendeckenden Breitbandausbau nach. Der Journalist stellte Statistiken vor, die leider verdeutlichten, dass Deutschland erheblichen Nachholbedarf hat, um international nicht den Anschluss zu verlieren. In den USA seien bereits 30 Prozent der Haushalte mit einem Glasfaseranschluss verbunden, während es in Deutschland erst 5 Prozent seien. In Zeiten wachsender digitaler Datenströme, digitaler Lösungen im Wohnen, v.a. in der Konzeptionierung und Planung, aber auch durch die steigende Verbreitung von Home Office, seien beschleunigende Maßnahmen notwendig. „Schnelles Internet muss so selbstverständlich sein wie fließendes Wasser und Strom“, forderte Gutjahr eine entschiedene Priorisierung des Glasfaserausbaus.

Nachdem es in der Vergangenheit bereits rein digitale Blaue Stunden als Ausklang gab, freuten sich Jürg Schönherr, Bereichsleiter Markt Wohnungswirtschaft der DZ HYP, und VdW-Verbandsdirektor Alexander Rychter am frühen Abend des ersten Veranstaltungstages darüber, nach zwei Jahren wieder die erste persönliche Blaue Stunde einzuläuten und alle Teilnehmenden des VdW-Verbandstages in die nachfolgende Abendveranstaltung in das nahe gelegene Kameha Grand Hotel zu verabschieden. Das ansprechende Abendprogramm wurde von NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach eröffnet, die sich in ihrem Grußwort vor allem auf die gefestigte und enge Partnerschaft zwischen dem Land und den Mitgliedsunternehmen und -genossenschaften des VdW Rheinland Westfalen bezog.

Der Verband bedankt sich bei allen Gästen, Teilnehmenden, Ausstellenden und Sponsoren für den erfolgreichen VdW-Verbandstag 2021 und blickt bereits mit Vorfreude auf den nächsten Verbandstag, der am 28. und 29. September 2022 in Bielefeld stattfinden wird.

Katrin Stamm
Katrin Stamm
Abteilungsleitung Interessenvertretung, Verbandskommunikation, Marketing und Neue Mobilität
Tel.: 0211 16998-94
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