
Verband der Wohnungs- und Immobilien-
wirtschaft Rheinland Westfalen e.V.
7. Forum Wohnungswirtschaft
"Zukunftsicheres WohnLeben – Wohntrends 2020" am 3. und 4. Juni 2008 in Bitburg
Die Dokumentation 7. Forum ist als Band 9 der VdW-Schriftenreihe erschienen (Preis: 16 Euro für Mitglieder; 21,50 Euro für Nicht-Mitglieder; jeweils zuzüglich Versandkosten)
| Auch mit dem 7. Forum Wohnungswirtschaft hat der VdW Rheinland Westfalen wieder ein Zukunftsthema von großer Aktualität für die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft aufgegriffen. Neuere demographische und wirtschaftsstrukturelle Entwicklungen werfen für die Wohnungsunternehmen die Frage nach künftigen Wohntrends auf, um sich darauf einzustellen und sich entsprechend zu positionieren. | |
GRAFT Gesellschaft von Architekten mbh; |
In diesem Sinne stellte das 7. Forum Wohnungswirtschaft des VdW Rheinland Westfalen, das am 3. und 4. Juni 2008 in Bitburg mit rund 300 Teilnehmern stattfand,„Wohntrends 2020“ in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz in den Mittelpunkt.
„Um den Wohnungsunternehmen auch für die nächsten Jahre eine verlässliche Orientierung für ihr wohnungswirtschaftliches Handeln und ihre Investitionsentscheidungen geben zu können, ist InWIS von mir Ende 2006 gebeten worden, Überlegungen für eine Folge-Studie ‚Zukunft des Wohnens – Perspektiven für die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft im Rheinland und Westfalen’ anzustellen“, sagte Verbandsdirektor Burghard Schneider in seiner Einführung. Diese Studie hatte der Verband 2001 bei InWIS in Auftrag gegeben. Sie war und ist für die Wohnungswirtschaft in ganz Deutschland eine wichtige Grundlage, um sich auf die demographische Entwicklung einzustellen.
Im Ergebnis hatte InWIS vorgeschlagen, eine empirische Marktstudie „Wohntrends im Rheinland und Westfalen“ durchzuführen. „Diesen Gedanken aufgreifend habe ich dem GdW vorgeschlagen, eine entsprechende bundesweite Studie zu beantragen, an denen sich die Regionalverbände beteiligen können, wenn sie für ihr Verbandsgebiet vertiefende Daten gewinnen wollen“, führte Schneider weiter aus.
„Nach einer Reihe von Diskussionen in den Gremien des GdW hat der GdW-Vorstand im Juni 2007 beschlossen, einen Auftrag über eine bundesweite Marktstudie „Wohntrends“ an die Institute InWIS und Analyse & Konzepte (Hamburg) zu erteilen. Auftraggeber sind auch der VdW Rheinland Westfalen und der VdW südwest, weil beide Regionalverbände ebenfalls interessiert sind an regionalen Antworten für ihre Verbandsgebiete in den Ländern Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz“, erläuterte der Verbandsdirektor.
Verbandsdirektor Burghard Schneider bei der Eröffnung des Kongresses
Der VdW Rheinland Westfalen habe, so Schneider, die Studie „Wohntrends“ mit in Auftrag gegeben, da seine Mitgliedsunternehmen bei den sich zunehmend ausdifferenzierenden Märkten mehr sach- und marktgerechte Informationen benötigen, um Investitionsentscheidungen besser vorzubereiten und abzusichern.
InWIS habe, so Schneider weiter, in seiner Studie bereits 2002 auf die regional unterschiedlichen Ausprägungen der einzelnen demographischen Merkmale hingewiesen und prognostiziert: „Abzusehen ist, dass sich die Wohnungsmärkte stärker als bisher nach Zielgruppen, Qualitäts- und Preisniveaus, Wohnungstypen und Standorten segmentieren werden.“
Damit habe InWIS sozusagen schon vor sechs Jahren das Thema für das 7. Forum Wohnungswirtschaft formuliert. Denn die Pluralisierung der Wohnungs-Nachfragerhaushalte habe sich in ein breites Spektrum von Lebensformen, Haushaltstypen, Lebensstilen und sozialen Milieus fortgesetzt.
In abstrakter Form, so Schneider, kenne die Immobilien- und Wohnungswirtschaft und die weitere Fachöffentlichkeit durchaus die Beschreibung der vielfältigen Lebensformen und Lebensstile. Auch die von verschiedenen Seiten immer wieder aufgezeigten Milieus seien bekannt.
Nicht bekannt bzw. beantwortet seien aber die Fragen: Wie schlägt sich diese Pluralisierung empirisch nieder? Wie setzt sich dieses bunte Spektrum an welchem Ort zusammen? Welche sozialen, ökonomischen und anderen Rahmenbedingungen beeinflussen diese vielfältigen Spektren und wie werden sie diese künftig beeinflussen?
„Im 7. Forum Wohnungswirtschaft wollen wir diese Fragen im Hinblick auf die Wohntrends 2020 beantworten“, führte Schneider aus.
Wohntrends 2020 – Ein neues anwendungsorientiertes Modell für die Wohnungswirtschaft
Bettina Harms, Analyse & Konzepte, Hamburg, gab auf diese Fragestellungen erste Antworten im Stil eines Werkstattberichtes. InWIS und Analyse & Konzepte seien zum ersten Mal gemeinsam mit einer Studie beauftragt worden. So konnten beide Institute ihre bisherigen umfangreichen gesammelten Daten aus Befragungen und Studien zusammenführen. Die empirischen Grundlagen der Studie wurden zu diesem Zweck um eine bundesweite Befragung von 1.500 Haushalten erweitert.
Bettina Harms stellte ein neues Modell zur Befriedigung von Kundenwünschen vor.
Ziele der bundesweiten Studie, erläuterte Harms, seien die Bildung eines neuen anwendungsorientierten Modells für die Wohnungswirtschaft, eine differenzierte Abbildung der Wohnungsnachfrage der Haushalte nach Lebenslagen und Wertorientierungen sowie eine Abschätzung der zentralen Wohntrends und ihrer Bedeutung.
Das neue Modell erlaube eine beidseitige Anwendung von der Nachfrage- und Angebotsseite. Von bestehenden Wohnungstypen aus könnten gezielt Nachfragergruppen umworben werden bzw. für erkannte Nachfragergruppen gezielt Wohnungstypen errichtet und/oder angeboten werden. Somit könne das Modell für die Modernisierung von Wohnanlagen, für Neubauprojekte und im Rahmen eines Marketingkonzepts der Unternehmen zum Einsatz kommen.
Im Ergebnis werden in dem Modell mehr als 50 verschiedene Nachfragertypen anhand der Merkmale Alter/Familienstand, dem für das Wohnen zur Verfügung stehenden Einkommen sowie den subjektiven Wohnvorstellungen unterschieden. Dabei werden sechs grundlegende Wohnvorstellungen identifiziert, die jeweils unterschiedliche Wünsche und Anforderungen im Hinblick auf die Art der Wohnung, die Ausstattung und das Wohnumfeld repräsentieren.
Harms betonte, dass sich die festgestellten qualitativen Veränderungen bei den Wohnvorstellungen in der konkreten Wohnungsnachfrage niederschlagen werden. Insbesondere in den Städten würden sich diese Zukunfttrends zuerst bemerkbar machen. Exemplarisch nannte sie als künftigen Wohntrend, dass der Wunsch nach zusätzlicher Wohnfläche abnehmen und eher die Anforderung an die Wohnungsanbieter, mit smarten, effektiven Lösungen die Wohnqualitäten qualitativ und zielgruppenorientiert zu verbessern, im Mittelpunkt stehen werde.
Für das immer wichtiger werdende „Büro zu Hause“ müssten sich Architekten und Wohnungsunternehmen pfiffige Lösungen ausdenken – platzsparend und dennoch funktional. Neuere Anforderungen an Wohnungsausstattungen beträfen etwa das Bad, dessen Funktion sich vom
„Hygieneraum“ zum Gesundheits- und Wellnessort wandelt. So haben 91 Prozent der Haushalte angegeben, im Bad nicht nur Duschen, sondern sich auch Wohlfühlen zu wollen.
Wohntrends 2020 – Daten und Fakten aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz
Matthias Wirtz, InWIS Bochum, stellte aus der gemeinsamen Studie die mit Spannung erwarteten ersten regionalisierten Ergebnisse vor. Er berichtete über die aktuellen Entwicklungen des Mietwohnungsmarktes und die Wohnvorstellungen im Verbandsgebiet des VdW Rheinland Westfalen und stellte die regionalen Besonderheiten der Wohntrends 2020 für Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz heraus. Stellvertretend hatte InWIS die Regionen Bonn, Bochum und den Kreis Bitburg-Prüm/Bernkastel/Wittlich näher untersucht.
Matthias Wirtz stellte die Wohntrends 2020 in NRW und Rheinland-Pfalz vor.
Von den sechs grundsätzlichen Wohnvorstellungen kommt der Typ „kommunikativ-dynamisch“ im Verbandsgebiet mit einem 20 prozentigen Anteil am häufigsten vor. Aber auch der Typ, der „einfach-solide“ wohnen möchte, ist mit knapp 20 Prozent Anteil stark vertreten, wobei er besonders ausgeprägt in den Großstädten vorkommt. Die häuslich-familiäre Wohnvorstellung ist hingegen besonders häufig in den Mittelstädten vertreten.
Mit Erstaunen wurde die Feststellung von Wirtz aufgenommen, dass die Haushalte im VdW-Verbandsgebiet besonders gerne die Wohnung wechseln bzw. deren Verweildauer bundesweit die niedrigste ist. Berufliche Gründe stehen allgemein an erster Stelle der Gründe für einen Wohnungswechsel.
Im Ergebnis planen 30 Prozent der Mieterhaushalte im Verbandsgebiet einen Umzug, worin Wirtz eine Gefahr wie auch eine Chance zugleich erkennt. 70 Prozent der Mieterhaushalte wollen in einem Neubaugebäude wohnen. Hinsichtlich der Ausstattung dominieren mit unterschiedlicher regionaler Ausprägung Wünsche nach einem großen Badezimmer, nach einer Beheizung mit erneuerbaren Energien, nach einer komfortablen Küche und nach einem Tele-Arbeitszimmer.
Unter der Überschrift „Wünsche müssen auch bezahlt werden“ berichtete Wirtz: Das mittlere Haushaltsnettoeinkommen der Mieterhaushalte im Verbandsgebiet liegt bei rund 1.860 Euro. Die Mietzahlungsbereitschaft ist mit 630 Euro und mehr am höchsten in den Städten Düsseldorf und Köln. In vielen Städten des Ruhrgebiets ist diese mit 400 bis 485 Euro dagegen geringer ausgeprägt bzw. auch ein Ausdruck der dortigen Marktpreislage.
Wohntrends 2020 – Perspektiven für die Wohnungswirtschaft
Prof. Dr. Volker Eichener, InWIS Bochum, übernahm die wichtige Aufgabe, die Bedeutung der Wohntrends 2020 in das praktische Handeln der Wohnungswirtschaft zu übertragen, zu prüfen und zu konkretisieren.
Prof. Dr. Volker Eichener erläuterte Handlungsmöglichkeiten für die Wohnungsunternehmen.
Dazu machte er zunächst auf Grundlage der Bevölkerungsprognose 2020 auf die in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wachsenden und schrumpfenden Regionen aufmerksam, in denen sich die Wohnungsmärkte differenzieren und unterschiedliche Herausforderungen und Strategien erfordern.
In wachsenden Märkten stellten sich bei unterschiedlichem Preisniveau die Fragen: Wie versorge ich die sozial Schwachen? Wie halte ich die Qualität und verhindere soziales Abgleiten? Wie generiere ich Zusatzerträge? Mit welchen Qualitäten und Innovationen bediene ich die Nachfrage?
In schrumpfenden Märkten stellen sich, wiederum abhängig vom Preisniveau, folgende Fragen: Wie bewirtschafte ich Problemquartiere? Wie kann ich dem Mieter mit begrenztem Aufwand Mehrwert bieten? Wie finde ich auf diesen Märkten noch lukrative Nischen? Wie bediene ich die Präferenzen der Zielgruppen? Wie schaffe ich Produkte mit Alleinstellungsmerkmalen?
Alle diese Fragestellungen berühren die Wohnzufriedenheit, wozu Eichener feststellte, dass jeder fünfte nicht wirklich zufrieden ist. Entsprechende Befragungsergebnisse wiesen darauf hin, dass die Lebensqualität im Quartier zur kritischen Größe wird. Fast die Hälfte der jungen Menschen hegten Umzugsabsichten. Auch wenn die Hälfte der Umzugsgründe nicht beeinflussbar sei, verbliebe eine andere Hälfte, auf die die Wohnungswirtschaft Einfluss nehmen könne. Bei den Umzugswilligen dominiere der Wunsch nach Verbesserung der Wohnung, des Wohnumfeldes bzw. der Wohngegend.
Nach einer anschaulichen Erläuterung der künftigen Wohnwünsche von Jung und Alt, fasste Eichener die Wohntrends 2020 in folgende Handlungsmöglichkeiten für die Wohnungswirtschaft zusammen:
- Nischenprodukte, wie Mieteinfamilienhäuser, Townhouses, Gruppenwohnprojekte, Ökohäuser, Seniorenwohnungen etc.,
- flexible Produkte für individuelle Grundzuschnitte,
- Mehrwerte vom Kamin bis zum Fernsehkino,
- kommunizierte Qualitäten,
- individualisierte Produkte auf Grundlage einer Basiswohnung und wählbaren Extras gegen Aufpreis.
Zukunftsorientierte Projekte – Entwicklung von Wohnquartieren durch Neubau, Erneuerung und Umbau
Dass die Wohnunternehmen schon auf dem Weg sind, zukunftsorientierte Projekte zu entwickeln, demonstrierten eindrucksvoll mit Impulsreferaten Thomas Hummelsbeck (Rheinwohnungsbau GmbH, Düsseldorf), Klemens Nottenkemper (Wohn + Stadtbau, Wohnungsunternehmen der Stadt Münster GmbH) und Olaf Rabsilber (Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Oberhausen-Sterkrade eG).
Thomas Hummelsbeck (Rheinwohnungsbau GmbH, Düsseldorf)
Stellvertretend für die drei Sparten im VdW Rheinland Westfalen zeigten sie auf, wie die Wohnungswirtschaft systematisch vor Ort ihre künftigen Zielgruppen ermittelt und ihre Wohnungsangebote darauf zuschneidet, sei es durch Neubau, Erneuerung oder Umbau. Die Palette der Wohnangebote erstreckt sich auf vielfältige Wohnprojekte für ältere Menschen (von gemeinsam älter werden, betreutem Wohnen, Wohngemeinschaften und Dementen-WGs bis hin zu gehobenem Wohnen), auf Mehrgenerationen-Wohnen, auf Wohnungen mit hohen energetischen Standards und/oder multimediagerechter Ausstattung, auf individuelles Wohnen, aber in der Gemeinschaft und Nachbarschaft, auf Formen des preiswerten Wohnens, auf Eigentumsmaßnahmen und genossenschaftliches Wohnen, sowie auf den Umgang mit Hochhäusern einschließlich des Abrisses in Form einer gemeinsamen Entwicklung mit der Stadt und städtischen Netzwerken.
Klemens Nottenkemper (Wohn + Stadtbau GmbH, Münster)
Mit allen gezeigten Wohnprojekten, so die Berichterstatter, verfolgten die Unternehmen zugleich eine Stabilisierung und Entwicklung der umgebenden Wohnquartiere.
Olaf Rabsilber (Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Oberhausen-Sterkrade eG)
Beeindruckt von der Vielfalt und Nachhaltigkeit der gezeigten Projekte, den kollegialen Empfehlungen und aufschlussreichen Vorgehensweisen, arbeiteten die Teilnehmer des Forums anschließend in drei Workshops, um dort die neuen Ergebnisse der Wohntrends 2020 gemeinsam zu erörtern und zu bewerten, wobei erste Schlussfolgerungen im Hinblick auf konkrete Handlungsmöglichkeiten für zukunftsorientierte Projekte im Mittelpunkt standen.
Prof. Dr. Volker Eichener, Michael Neitzel und Matthias Wirtz (alle InWIS, Bochum) moderierten die drei Workshops und bereiteten die Ergebnisse als Input für den zweiten Tag des Forums auf.
Michael Neitzel präsentierte die Ergebnisse der drei Workshops.
Zukunftsorientierte Projekte – ein erstes Fazit
Die Teilnehmer der Diskussionen in den Workshops formulierten als Ergebnis, dass
- langfristige Entwicklungsstrategien, die dem Produktlebenszyklus des „Guten Wohnens“ Rechnung tragen, Vorrang haben müssten,
- solche Entwicklungsstrategien einen klaren Quartiersbezug aufweisen sollten,
- gesellschaftliche Entwicklungsprozesse und die Änderung von Wohnvorstellungen, -wünschen und -möglichkeiten unterschiedlicher Zielgruppen zu beobachten seien und zur Gestaltung des Produktes „Wohnen“ genutzt werden sollten,
- die von den Gutachtern gegebenen Empfehlungen zu Nischenprodukten, flexiblen Produkten, Mehrwert und Individualisierung als ergänzende Strategien genutzt werden können.
Impulsgeber Wohnungswirtschaft
Das zentrale Ergebnis der bundesweiten Studie Wohntrends 2020 lautet für GdW-Präsident Lutz Freitag: „Die Anforderungen an die Wohnungsunternehmen im Bereich Quartiersmanagement werden noch weiter erheblich steigen.“
GdW-Präsident Lutz Freitag lobte einmal mehr das innovative Aufgreifen von Zukunftstrends für die Wohnungswirtschaft durch den VdW Rheinland Westfalen.
So dankte Freitag dem VdW Rheinland Westfalen dafür, dass er mit seinem Anstoßen der Studie und dem Aufgreifen von Zukunftsthemen wiederum neue Impulse für die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in ganz Deutschland gebe. „Es gibt keine andere wohnungswirtschaftliche Tagung in Deutschland, die ein größerer Impulsgeber für Zukunftsfragen der Wohnungswirtschaft ist“, sagte er.
Denn es gelte, das deutsche Modell des Wohnens, das zu hoher Wohnqualität bei bezahlbaren Mieten geführt habe, langfristig zu sichern. Auch sei die soziale und ethnische Segregation in den deutschen Städten und Quartieren geringer und der soziale Frieden sicherer als in den meisten anderen Staaten.
Getragen werde dieses deutsche Modell gleichermaßen von den Immobilienunternehmen der Privatwirtschaft, den kommunalen und öffentlichen Wohnungsunternehmen, den Wohnungsgenossenschaften wie von den kirchlichen und sonstigen Wohnungsunternehmen.
Die vom GdW und seinen Regionalverbänden vertretenen Unternehmen schafften attraktive Wohnquartiere durch Zielgruppenangebote und Dienstleistungen wie z. B. durch vernetztes Wohnen, so Freitag weiter. Angesichts einer schrumpfenden Mittelschicht und des weiteren Auseinanderdriftens von Arm und Reich erhöhten sich perspektivisch die Herausforderungen an ein Quartiersmanagement durch die Wohnungsunternehmen.
Seit 2005 steigerten die Unternehmen ihre Investitionsleistungen, wovon gut zwei Drittel auf den Bestand entfallen. Dahinter stünden gesteigerte energiesparende Modernisierungsmaßnahmen, nicht zuletzt, um die stark anwachsenden Verbraucherpreise im Bereich der Wohnungsbetriebskosten etwas zu dämpfen. Jenseits aller energetischen Maßnahmen, auch als Beitrag zur CO2-Minderung, hob Freitag auch die Bedeutung des Stadtumbaus als wichtiges Instrument für attraktive Wohnquartiere hervor. Als Grundlage für den Stadtumbau müssten integrierte Stadtentwicklungskonzepte dienen. Und er betonte, dass das Stadtumbauprogramm mit großer Intensität fortgesetzt werden müsse.
Wohntrends 2020 – Zukunft gemeinsam gestalten
Die Journalistin Hella Sinnhuber, Schermbeck, moderierte anschließend eine interdisziplinär zusammengesetzte Podiumsdiskussion mit Thomas Hegel (LEG Landesentwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf), Uwe Hoegen (Baufrösche, Architekten und Stadtplaner GmbH, Kassel), Ulrike Rose (Europäisches Haus der Stadtkultur e.V., Gelsenkirchen), Prof. Annette Spellerberg (Technische Universität Kaiserslautern) und Ernst Wauer (Städtebauliche Kriminalprävention, Essen).
Unter Leitung von Helga Sinnhuber (3.v.l.) diskutierten (v.l.n.r.) Ulrike Rose (Europäisches Haus der Stadtkultur, Gelsenkirchen), Thomas Hegel (LEG NRW GmbH), Uwe Hoegen (Baufrösche, Architekten und Stadtplaner, Kassel), Prof. Annette Spellerberg (TU Kaiserslautern) und Ernst Wauer (Städtebauliche Kriminalprävention, Essen) über die Wohntrends 2020 und das Produkt Wohnen.
Einig waren sich alle Teilnehmer in der Runde, dass nicht mehr das Produkt Wohnung, sondern das Produkt Wohnen im Mittelpunkt aller Bemühungen um und Investitionen in attraktive Wohnquartiere stehen müsse, und dass Quartiersmanagement für die Wohnungsunternehmen zunehmende Bedeutung gewinnen werde.
Die im Podium vertretenen Disziplinen fanden sich dort richtig wieder: sicheres Wohnen, Wohnen mit Baukultur, Wohnen in Nachbarschaft und das Nebeneinander vielfältiger Lebensstile wie das Arbeiten in Workshops oder mittels Architektenwettbewerben zur Erkundung der Wohntrends und -wünsche im Quartier.
Eine spontane Blitzumfrage der Moderatorin unter den Teilnehmern, wie sie denn künftig wohnen wollen, zeigte eine hohe Neigung zum Wohnen im Eigentum sowie eine starke Ausprägung für ein urbanes Wohnen. Natürlich war dieses Stimmungsbild nicht repräsentativ.
Ausblick
VdW-Verbandsdirektor Burghard Schneider machte in seinem kommentierenden Ausblick nochmals deutlich, dass auch das 7. Forum Wohnungswirtschaft, wie die sechs Foren mit Zukunftsthemen zuvor, nicht das Ziel hatte, abschließende fertige Handlungsempfehlungen zu geben. Mit dem Aufzeigen von Wohntrends 2020 wollte der Verband vielmehr wiederum Anstöße für das unternehmerische Handeln der Wohnungsunternehmen gegeben haben und sie für Markttrends und -entwicklungen sensibilisieren.
Außerdem wollte der Verband, so Schneider weiter, die Wohntrends 2020 und mögliche Handlungsfolgerungen mit den Mitgliedsunternehmen erörtern und diskutieren, um in Erfahrung zu bringen, an welchen „Stellschrauben“ bei der Bundes- und Landespolitik der Verband als Interessenvertreter der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz, „drehen“ solle bzw. müsse.
Schneider wertete die Arbeitsergebnisse der Workshops und die Meinungen und Vorschläge aus dem Forum auch so, dass die Unternehmen einen funktionsfähigen und transparenten Markt benötigten, wenn die aktive Gestaltung eines „Zukunftsicheren WohnLebens“ als weiter andauernde große Herausforderung des demographischen und ökonomischen Wandels gelingen solle.
Das Erkennen von Wohntrends sei die eine Seite oder der erste Schritt. Dies könne die Treffsicherheit von Projekten bezogen auf die Nachfrageseite erhöhen. Die Umsetzung in Projekte sei die andere Seite oder der nächste Schritt. Sie müsse in die unternehmensbezogenen Rahmenbedingungen passen (Stichwort: Portfoliomanagement) und passgenau in die externen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – dazu zählten neben der steuerlichen Seite auch z. B. die Markt- und Förderrahmenbedingungen, damit sich die Investitionen in die Zukunft auch rentierlich darstellen ließen.
Den speziellen Aspekt funktionsfähiger Wohnungsmärkte als Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit der Wohnungswirtschaft, so Schneider, werde der Verband in seinem Verbandstag 2008 vertieft behandeln und in Form von „Wohnungspolitischen Thesen 2008“ an die Politik richten.
Informative Fachmesse
Über 20 Unternehmen und Sponsoren nutzten das 7. Forum Wohnungswirtschaft, um sich mit innovativen, neuen Produkten und Dienstleistungen für die Wohnungswirtschaft im Rahmen einer Fachmesse zu präsentieren.


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